Julia Breit

Malerei, Collage, Multi Media 

ABOUT
Julia Breit, geb.1978 in Herford Westf., hat lebenslange Erfahrungen im Zeichnen und der Malerei gesammelt. Auch Fotografie, Collagen und Assemblagen gehören zu ihrem Repertoire. 
Nach 2 Jahren Kunststudium an der Universität Osnabrück übersiedelte sie nach Berlin, um sich von der lebendigen Kulturszene der Stadt inspirieren zu lassen. 
Hier konzentrierte sie sich zunächst auf das Zeichnen von Comics und Cartoons, später wandte sie sich wieder der Acrylmalerei zu.
Ein vierjähriger Aufenthalt bei Manchester, UK führte zu fotografischen Werken auf der Basis bühnenbildähnlicher Installationen und einer Vorliebe für gefundene Objekte.
Seit 2014 lebt und arbeitet Julia wieder in Berlin.


MANIFEST

Die Künstlerin erforscht malend den Zusammenhang zwischen Erinnerung, Geschichte(n) und Identität.
Diese Drei sind untrennbar miteinander verknüpft, sie bedingen sich gegenseitig.
Als Individuen zerfällt unsere Identität, wenn Erinnerung schwindet, unsere Erinnerungen fügen wir zu Geschichten zusammen, in ihrem zeitlichen Ablauf begründen wir, was wir unsere Identität nennen.
In der Serie "Helma", die aus kleinformatigen Gemälden nach alten Familienfotos besteht, bewahrt Julia Fragmente der Geschichte ihrer Mutter vor dem Vergessen- einer Frau, tief verhaftet in der traditionellen Frauenrolle, deren Erinnerungen sich in ihrer Demenzerkrankung auflösen.

Doch Erinnerungen und Geschichten können auch dekonstruiert und neu zusammengesetzt werden, um Veränderungen in unserem Leben zu erlauben.
Erlernte Rollen, oder Personas, dienen nur eine Zeit lang unserem Schutz und unserer Entwicklung, bevor sie beginnen, uns gefangen zu  halten.
Wir können uns ihrer bewußt werden, ihre Ursprünge verstehen und neue Umgehensweisen für neue Situationen finden.

Was für die einzelne Person gilt, funktioniert auch auf gesellschaftlicher Ebene. 
Wir erzählen Geschichten, die uns als Gruppen zusammenhalten können, uns aber auch gegeneinander abgrenzen und aufbringen. 
Durch Geschichten werden wir manipuliert und manipulieren selbst, geteilte Erzählung wird zu einem Imperativ, auf dem wir unsere gesellschaftlichen Systeme begründen.
Wenn diese Systeme scheitern, wenn die Erzählungen aufbrechen und nicht mehr geglaubt werden, müssen auch die Strukturen von Grund auf geändert werden.
Neue Geschichten müssen neue Formen des Zusammenlebens erschaffen, die auf Kooperation statt auf Konkurrenz basieren.
Wir dürfen nicht länger davor zurückschrecken, in die Abgründe unserer Existenz zu blicken und sie zu benennen.
Was uns nicht dazu dient, in unseren Gemeinschaften friedlich zusammenzuleben, muss weichen, da wir sonst unseren Lebensraum und uns selbst zerstören.
Hier entsteht Raum, eine Leerstelle, die nach Kreativität verlangt.
Kunst ist Training zum Erfinden und Erschaffen neuer Realitäten.
Immer wieder beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Aufbrechen alter Formen und der Suche nach eigenen Räumen, dem eigenen Rhythmus. Sie sieht hierin eine Form der Individualisierung, die uns zurückführt zu unserer ursprünglichen Verbundenheit mit uns selbst und dadurch miteinander und zur Natur.

In der Serie "Archetypes" sucht Julia nach den tiefer liegenden Mechanismen hinter den erlernten Rollen. 
Als weiblich sozialisierte Person nimmt sie hier Bild für Bild auseinander, was sie in einer westlichen Gesellschaft gelernt hat und hinterfragt damit ihre eigene Identität.
Weiblich gelesene Menschen werden noch immer häufig weniger ernst genommen , als weniger vielschichtig, weniger menschlich gesehen.
Julia lädt uns ein, mit ihr einzutauchen in Darstellungen weiblicher Figuren, die nie nur Objekt und Klischee sind, 
in eine Inventur des Schmerzes menschlicher Erfahrung.
Hierbei changiert ihre Darstellungsweise zwischen abbildenden und abstrakten Elementen (wo ist die Grenze?), sorgfältig ausgearbeitete Bereiche treffen auf Zufallstechniken, oder von Comics inspirierte Vereinfachungen.
Es entsteht eine Spannung zwischen Aggression und Humor, Erschaffen und Zerstören, Erzählen und Verschweigen.


2011 Saltaire open arts trail, Bradford UK 2012 this is not an empty space group exhibition, Melbourne works, Hebden Bridge UK 2012-13 RAS open exhition, Edinburgh 2013 Dean Clough Mill, Halifax UK 2014 Die Dinge 6, mit GEDOK Brandenburg, Luckenwalde DE